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KI gestaltet Europas Arbeit neu: 75 Prozent der Kompetenzen entwickeln sich in der Mensch-KI-Zusammenarbeit

19/07/2026 · 4 Min. Lesezeit

Das McKinsey Global Institute hat Kompetenz für Kompetenz kartiert, wie KI die Arbeit in Europa verändert. Der Bericht Agents, Robots, and Us vom Mai 2026 analysiert zehn Länder, die zusammen über drei Viertel der Arbeitskräfte und des BIP der Region stellen, und zeigt: 58 Prozent der aktuellen Arbeitsstunden sind mit bestehenden Technologien technisch automatisierbar. Der tiefere Befund richtet sich direkt an jeden CHRO und COO: rund 75 Prozent der von Arbeitgebern nachgefragten Kompetenzen stecken in Tätigkeiten, die automatisierbare Aufgaben mit zutiefst menschlichen Elementen verbinden. Kompetenzen entwickeln sich durch die Zusammenarbeit mit KI weiter — es ist eine Neugestaltung der Arbeit, weit mehr als ein Ersatz von Arbeitskräften.

~75% Anteil der von europäischen Arbeitgebern nachgefragten Kompetenzen in Tätigkeiten, die automatisierbare und menschliche Arbeit verbinden — McKinsey Global Institute, zehn Länder, Mai 2026

Was die Forschung zeigt

MGI entwickelte einen Skill Change Index, ein zeitgewichtetes Maß für die potenzielle Wirkung der Automatisierung auf jede Kompetenz der heutigen Arbeitswelt, und wandte ihn auf Tschechien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Polen, Spanien, Schweden und das Vereinigte Königreich an. Das Ergebnis ist ein granulares Bild davon, wo KI-Agenten kognitive Aufgaben übernehmen können und Roboter physische: 58 Prozent der aktuellen Arbeitsstunden in den zehn Ländern sind theoretisch mit bereits existierenden Technologien automatisierbar — ein Anteil vergleichbar mit den USA, geprägt vom spezifischen Branchenmix Europas.

Der Index offenbart eine entscheidende Asymmetrie. Hochspezialisierte Routinekompetenzen wie Buchhaltung und Programmierung stehen vor der größten Veränderung, während zwischenmenschliche Fähigkeiten wie Verhandlung und Coaching sich am wenigsten wandeln. Da rund 75 Prozent der nachgefragten Kompetenzen in Tätigkeiten liegen, die automatisierbare und menschliche Elemente mischen, ist das dominante Muster die Neugestaltung: Menschen und KI teilen sich Arbeitsabläufe, während menschliches Urteilsvermögen, Empathie und Beziehungsarbeit an Wert gewinnen. Menschenzentrierte Rollen machen bereits rund 31 Prozent der Beschäftigung in den zehn Ländern aus — der Bericht zählt sie zu den beständigsten Teilen des Arbeitsmarkts.

Die Arbeitsnachfrage bestätigt den Wandel. Die Zahl der Beschäftigten in Berufen, in denen KI-bezogene Kompetenzen in mindestens 5 Prozent der Stellenanzeigen auftauchen, wuchs von 1,9 Millionen im Jahr 2023 auf 9,4 Millionen im Jahr 2025 — eine Verfünffachung der Nachfrage nach KI-Kompetenz, verstanden als die Fähigkeit, KI-Systeme im Arbeitsalltag zu nutzen, zu steuern und zunehmend damit zu gestalten: sie in Abläufe zu integrieren, Ergebnisse zu interpretieren, Urteilsvermögen anzuwenden und iterativ besser zu werden. Die Nachfrage nach spezialisierten technischen KI-Kompetenzen wuchs im gleichen Zeitraum von 2,0 auf 3,3 Millionen Beschäftigte. KI-Kompetenz verbreitet sich in der gesamten Organisation, rund dreimal schneller als das Wachstum technischer Spezialistenrollen.

Warum handelnde Organisationen vorn liegen

Der wirtschaftliche Einsatz wächst mit der Geschwindigkeit. Im mittleren Szenario von MGI erschließt die Automatisierung bis zu 1,9 Billionen Dollar wirtschaftlichen Wert in Europa bis 2030; ein Szenario gradueller Einführung liefert näher an 1,1 Billionen Dollar. Die Lücke von 800 Milliarden zwischen beiden Pfaden gehört den Organisationen, die früh und gezielt handeln. KI-Agenten stehen für rund 82 Prozent des gesamten Wertpotenzials — ein Spiegel dessen, wie kognitiv europäische Arbeit ist und wie schnell agentenbasierte Systeme im Vergleich zur kapitalintensiven Robotik skalieren.

Land für Land ist der Gewinn konkret: etwa 486 Milliarden Dollar für Deutschland, 375 Milliarden für das Vereinigte Königreich und 238 Milliarden für Frankreich. MGI benennt klar, was es braucht, um diesen Wert zu heben: Arbeitsabläufe rund um die Mensch-KI-Zusammenarbeit neu gestalten, in großem Umfang in Kompetenzen investieren und Beschäftigte begleiten, während sie lernen, mit Agenten und Robotern zu arbeiten. Für Personalverantwortliche liest sich der Bericht wie ein Ablaufplan. Organisationen, die die 75 Prozent gemischter Kompetenzen als Entwicklungsagenda behandeln — statt als Automatisierungscheckliste — verwandeln Technologieausgaben in Produktivität, Wachstum und Vertrauen der Belegschaft. Wer den Übergang als gemeinsamen Fortschritt gestaltet, gibt den Menschen eine Zukunft, auf die sie zugehen können, und dieses Vertrauen zeigt sich direkt in den Einführungsraten.

Die organisatorische Entscheidung

Die Verfünffachung der Nachfrage nach KI-Kompetenz stellt CHROs und COOs eine messbare, dringende Frage: Welcher Anteil Ihrer Belegschaft kann heute KI-Kompetenz nachweisen, und wie lautet Ihr Quartalsplan, diesen Anteil zu steigern? Eine gute Antwort verlangt ein lebendiges Kompetenzinventar, das die Logik des Skill Change Index auf Ihre eigenen Rollenfamilien anwendet. Ein konkreter erster Schritt: Nehmen Sie die drei größten Rollenfamilien Ihrer Organisation, zerlegen Sie deren Tätigkeiten in automatisierbare und menschliche Komponenten und finanzieren Sie für jede einen benannten Reskilling-Pfad, mit Fortschrittskontrolle auf Vorstandsebene. Beschäftigte erleben das als Investition in ihre Zukunft — und dieser psychologische Vertrag bestimmt das Tempo jeder weiteren Einführung. Das Fenster zwischen dem 1,1-Billionen-Pfad und dem 1,9-Billionen-Pfad ist jetzt offen; Personalentscheidungen bestimmen, welchen Pfad Ihre Organisation nimmt.

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