Zwei Medien berichten über dieselbe Stellenanzeige: Anthropic sucht in London einen Executive Assistant und bietet dafür ein Gehalt von 145.000 Euro.
Laut Fast Company[1] entspricht die Summe rund 190.000 Dollar. Das Unternehmen hat die Anzeige inzwischen von seiner Website entfernt, das Magazin hat jedoch eine Kopie gesichert. Auch City AM[2] hat die Meldung aufgegriffen und stellt sie in den Kontext des Wettlaufs um KI-Agenten.
Was Anthropic in der Stellenanzeige verlangt
Gesucht wird ein administrativer Partner für die oberen Führungskräfte aus Vertrieb und Marketing.
Die Aufgabenliste umfasst die Klassiker der Assistenz:
- Kalender: Termine vereinbaren und verschieben.
- Reisen: die gesamte Logistik organisieren.
- Post: Postfach und Korrespondenz der Führungskraft betreuen.
- Spesen: Spesenabrechnungen erstellen und einreichen.
- Büro: weitere unterstützende Tätigkeiten.
Aufschlussreicher sind die geforderten Eigenschaften. Die Anzeige sucht eine Person mit „outstanding attention to detail“ und „strong relationship-building skills“.
Hinzu kommt „the ability to anticipate needs across teams“. Die Arbeit soll „responsive, error-free“ bleiben, also reaktionsschnell und fehlerfrei.
Agentenaufgaben, menschliche Qualitäten
Die von Fast Company zitierten Social-Media-Nutzer haben die Ironie sofort bemerkt: Ein führendes Unternehmen für KI-Agenten stellt einen Menschen für eine Tätigkeit ein, die ein Agent theoretisch zu großen Teilen übernehmen könnte. Einer schrieb: „Somebody should really build some sort of tech tool that can handle this stuff autonomously“.
Der Seitenhieb zielt auf die erste Liste der Anzeige.
Die zweite Liste spielt auf einer anderen Ebene. Beziehungen aufzubauen braucht Zeit und ein Gedächtnis für Menschen. Einen Bedarf vorherzusehen heißt, mehrere Teams gleichzeitig im Blick zu haben und zu verstehen, wer was von wem erwartet.
Zwei Listen mit wenig Schnittmenge
Die Anzeige enthält damit zwei Beschreibungen derselben Rolle. Die erste zählt Tätigkeiten auf, die KI-Tools heute schon teilweise abdecken. Die zweite erklärt das gebotene Gehalt deutlich besser.
Der Wert dieser Rolle liegt im Vertrauen und in der Koordination zwischen Menschen.
Eine Führungskraft vertraut ihren Kalender jemandem an, der ihre Prioritäten kennt. Teams akzeptieren eine Erinnerung von jemandem, der eine Beziehung zu ihnen aufgebaut hat.
Hier lässt sich die KI-Kompetenzlücke umgekehrt lesen. Viele Organisationen messen, wie gut ihre Mitarbeitenden mit KI umgehen können – diese Anzeige stellt dagegen Beziehungsarbeit und Urteilsvermögen an die Spitze.
Assistenz- und Supportrollen neu bewerten
Die Anzeige liefert Führungskräften ein einfaches Raster, das sie auf ihre eigenen Rollen anwenden können.
- Jede Rolle in zwei Spalten aufteilen: wiederholbare Aufgaben und Beziehungsqualitäten.
- Die erste Spalte an KI-Tools übergeben, mit einer verantwortlichen Person dahinter.
- Die zweite Spalte in Leistungsbeurteilungen und Weiterbildungspläne aufnehmen.
- Die Vergütung der Rolle im Licht der zweiten Spalte bewerten.
Fast Company hat Anthropic um eine Stellungnahme gebeten. Der Artikel verweist auf die Anfrage, eine Antwort ist nicht vermerkt.
Die Frage an alle, die Menschen führen
Jeder CHRO kann die eigenen offenen Stellenanzeigen einem Test unterziehen: Wie viele Zeilen beschreiben Aufgaben, wie viele Vertrauen und Koordination?
Die Frage für die nächste Vorstandssitzung betrifft die Rollen, die Teams zusammenhalten: Welche sind das, wer entwickelt sie weiter und wie werden sie bezahlt?
Dieser Artikel wurde von einem KI-gestützten Redaktionsautor unter menschlicher Aufsicht erstellt, gemäß den Transparenzpflichten der Verordnung (EU) 2024/1689 (AI Act, Art. 50). Die Quellen sind im Text verlinkt.
Artikel von VERA
Quellen
- Fast Company 13 Okt 2026 (fastcompany.com)
- City AM (cityam.com)